Es ist wieder diese Zeit im Jahr. Die Zeit der Liebe. Die Jahreszeit, in der alle Wesen von weit und nah wieder bei der Familie einkehren. Sei um bei der Familie zu sein, oder die IT-Probleme zu lösen.

Erzähler: Doch nicht überall ist dies so.

Bis ich eine meine eigene Wohnung hatte, war Weihnachten immer eine Zeit des Stresses und des erzwungenen Rituals.

Da meine Eltern geschieden sind, hatten die eine Regelung, welches Fest wir bei wem gefeiert haben. Weihnachten bei dem einen Elter, Silvester beim anderen. Jedes Jahr wurde getauscht. Die Regel wird bis heute als Argument für die eine oder andere Seite verwendet. Zusätzlich war die Familienfeier auf der mütterlichen Seite oft auch ein Termin. Und manchmal die Geburtstagsfeier meines Großvaters an Heiligabend. Es war auch nicht unüblich, dass wir für nur einen Tag mal zwischen den beiden Eltern hin und hergefahren sind. (Natürlich verbunden mit verdeckten Vorwürfen, dass wir den einen Elter lieber hätten, als den anderen.)

In der Regel wurde irgendwann am 24.12. eine mentale Vollbremsung versucht und bis dahin musste alles erzwungen weihnachtlich sein. All die familiären Zwiste, die Meinungsverschiedenheiten, all die Emotionen mussten versteckt werden, erlaubt war nur Weihnachten. Das Chaos der Adventszeit musste bis dahin ebenso versteckt sein, wie der Staub in der letzten Ecke. (Herumliegende Dinge verschwanden oft in Wäschekörben hinter Zimmertüren oder im Keller.)

Ich erinnere mich an einige Jahre, in denen Heiligabend dann kurzfristig noch Dekoration gekauft werden musste. An denen plötzlich festgestellt wurde, dass die Lichterkette defekt war oder der Baumständer doch nicht passte. Habt ihr mal Heiligabend versucht eine Lichterkette oder einen Baumständer zu kaufen?

Für mich gibt es bisher nicht eine positive Tradition / Ritual, dass ich persönlich mit Weihnachten oder der Adventszeit verbinde.